Der ApothekeNBlog: Expopharm 2026
Telemedizin, Terminals und Impfen: Was die Messe für Ihre Apotheke bedeutet
Drei Tage, fünf Bühnen, über 500 Aussteller: Vom 15. bis 17. September war München wieder Treffpunkt der Apothekenbranche. Knapp 27.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher kamen zur Expopharm, auch Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann drehte eine Runde durch die Hallen. Auf den Bühnen ging es um KI und Digitalisierung, Prävention, Impfen und neue Geschäftsmodelle.
Was in diesem Jahr auffiel: Es wurde konkret. An den Ständen wurde weniger über Visionen gesprochen als über Technik, Räume und Preise, und zwar für Leistungen, die Apotheken heute schon anbieten und abrechnen können. Unser Team war vor Ort. Als Unternehmensberatung für Apotheken haben wir vor allem darauf geschaut, was sich für Inhaberinnen und Inhaber rechnet.
Die Expopharm 2026 auf einen Blick
- Assistierte Telemedizin: seit Juli abrechenbar, 30 Euro je Leistung. Der Einstieg reicht von der App auf dem vorhandenen Tablet bis zur eigenen Gesundheitsbox.
- Kundenterminals: gibt es jetzt ab rund 6.000 Euro und damit auch für kleinere Standorte außerhalb der Offizin.
- Impfen: Das ApoVWG öffnet die Tür für Totimpfstoffe. Rentabel wird es nur mit schlanken Abläufen.
Blutabnahme: Nach ärztlicher Schulung dürfen Apothekerinnen und Apotheker auch venös Blut abnehmen.
Assistierte Telemedizin: das Thema der Messe
An vielen Ständen ging es um sie, und das aus gutem Grund: Seit dem 1. Juli 2026 können Apotheken ihre Kundinnen und Kunden bei einer ärztlichen Videosprechstunde begleiten, eine strukturierte Ersteinschätzung durchführen oder beides kombinieren. Für jede der drei Varianten gibt es dieselbe umsatzsteuerfreie Pauschale. Abgerechnet wird zunächst per Sonderbeleg, 2027 soll eine elektronische Abrechnung folgen.
| Leistungszeitraum | Pauschale je Leistung |
| 01.07.2026 bis 30.06.2027 | 30,00 Euro |
| 01.07.2027 bis 30.06.2028 | 25,50 Euro |
| 01.07.2028 bis 30.06.2029 | 23,00 Euro |
| ab 01.07.2029 | 21,50 Euro |
Sonderkennzeichen: 19816313 (Ersteinschätzung), 19816336 (Videosprechstunde), 19816342 (beides)
Die Pauschale deckt Arbeitsleistung und Technik ab. Der Technikanteil sinkt dabei von Jahr zu Jahr, während der Anteil für die Arbeitsleistung steigt. Wer früh einsteigt, bekommt die Ausstattung also stärker mitfinanziert.
Diese Anbieter haben wir uns angesehen
- medivise liefert zusammen mit dem Apothekeneinrichter Kunesa und Pharmagest die komplette Lösung inklusive Videosprechstunde von Arztkonsultation. Drei Ausbaustufen: Air als kompakter Arbeitsplatz mit Tisch, Stuhl und Computer, etwa im Beratungsraum, für rund 1.500 Euro, Link als abgeschirmter Beratungsplatz mit besserer Ausstattung für rund 9.450 Euro und Go als eigener Raum mit Zugangssystem und vollständiger Technik ab rund 26.000 Euro.
- DoctorBox läuft als App auf den ApoChannel-iPads von marpinion, die bereits in rund 5.000 Apotheken stehen. Neue Hardware ist also nicht nötig. Nach einem kostenfreien ersten Monat fallen 50 Euro monatlich an, für marpinion-Apotheken 37,50 Euro, zuzüglich ab 4 Euro je Ersteinschätzung.
- DOCMONDO von GEDISA und APOMONDO kostet 59 Euro im Monat inklusive einer Kooperationsärztin oder eines Kooperationsarztes, bis zu vier weitere je 10 Euro. Dazu kommen 1 Euro je SmED-Ersteinschätzung und 2 Euro je Videosprechstunde. Der Tipp am Stand: Ärztinnen und Ärzte aus dem eigenen Netzwerk einbinden.
- CubeDoc aus Köln war neu dabei und zeigte eine voll ausgestattete Diagnostikkabine. Diagnostik, KI-gestützte Analyse und ärztliche Konsultation in einer Kabine; ausgestattet mit MDR-zertifizierten Medizingeräten. Preise auf Anfrage, technikbedingt eher im oberen Segment.
Unsere Einordnung: Welche Lösung passt, entscheidet weniger die Technik als die Fallzahl am Standort. Die Softwarelösungen senken die Einstiegshürde fast auf null und eignen sich gut zum Ausprobieren. Eine eigene Box lohnt sich vor allem dort, wo ärztliche Versorgung knapp ist und regelmäßig Fälle zusammenkommen.
Kundenterminals: die Apotheke kommt zum Kunden
E-Rezept-Terminals in und außerhalb der Apotheke haben seit dem vergangenen Jahr spürbar an Zuspruch gewonnen. Neu in München: Neben den großen Geräten gibt es jetzt kompakte Varianten, die auch für Arztpraxen, Pflegeheime oder das Rathaus im Nachbarort infrage kommen.
Anbieter | Modelle | Preis laut Messe | Geeignet für |
BetterApo | PRO SOLO SOLOLight | über 15.000 € ca. 7.000 € ca. 6.000 € | PRO: Supermärkte, hohe Frequenz SOLO/SOLOLight: Arztpraxen, Pflegeheime, kleine Standorte |
Pharma-Point | E-Rezept-Terminal Care Go | 6.000 bis 7.300 € | Terminal: Rathaus, Supermarkt, Gemeindehalle Care: Pflegeeinrichtungen Go: Boten- und Pflegedienst, per CardLink und KIM |
Pharmagest | id.EXPRESS Apotheke Tablet-Lösung id.EXPRESS Care | über Vertriebspartner | Apotheke/Tablet: Offizin, als Stand-, Wand-, Tisch- oder Kiosklösung Care: Pflegeeinrichtungen |
Mauve | ApoTerminal | ab 7.000 € | – |
Unsere Einordnung: Ein Terminal ist in erster Linie eine Standortentscheidung. In der eigenen Offizin verlagert es meist nur vorhandenen Umsatz. Im Ärztehaus, im Pflegeheim oder in einem Ort ohne eigene Apotheke erschließt es dagegen neue Kundschaft. Deshalb gehört die Frage nach dem Aufstellort vor die Auswahl des Geräts.
Neue Gesundheitsdienstleistungen
Impfen: große Chance, knappe Kalkulation
Mit dem ApoVWG dürfen geschulte Apothekerinnen und Apotheker künftig nicht nur gegen Grippe und Covid-19 impfen, sondern auch mit Totimpfstoffen, etwa gegen Tetanus, Diphtherie oder Polio. Entsprechend präsent war das Thema: GSK hatte einen eigenen Stand, an dem Apothekenteams das Impfen praktisch üben konnten. In mehreren Podiumsrunden in der Messehalle sahen viele darin die Chance, das ganze Jahr über neue Kundschaft in die Apotheke zu holen.
Ein Vortrag brachte eine Kehrseite auf den Punkt: Impfen kostet Zeit und muss in Relation zur aktuellen Vergütung gesehen werden:
- Seit dem 1. September erhalten Apotheken für die Grippeimpfung 11 Euro, dazu 0,99 Euro Nebenleistung und 1 Euro Beschaffungskosten.
- Pro zehn Minuten fallen mindestens zehn Euro Personalkosten an.
- Heißt: Dauert beispielsweise eine Grippeimpfung mit Vor- und Nachbereitung länger als etwa 13 Minuten, ist sie nicht mehr rentabel.
Wer impfen will, sollte deshalb die Abläufe von Anfang an klar festlegen. Praxistipps dafür gibt es beim Impfkongress (mit Vorträgen, Impfschulungen und Best-Practice-Workshops) des Apothekerverbands Westfalen-Lippe am 13. März 2027 in Münster, der auf der Messe breit beworben wurde.
Blutabnahme: der nächste Schritt
Kapillare Blutuntersuchungen sind in Apotheken schon heute möglich. Neu ist die venöse Blutabnahme: Approbierte Apothekerinnen und Apotheker dürfen sie nach einer ärztlichen Schulung zu diagnostischen Zwecken bei Erwachsenen durchführen. Auf der Messe zeigte Aniva Health, wie das in der Praxis aussehen kann. Das Unternehmen unterstützt Apotheken bereits bei kapillaren Tests und will künftig auch die venöse Abnahme mit Laboranbindung, Logistik und Software begleiten.
Cannabis: viele Anbieter, unsichere Zukunft
Auffällig viele Aussteller warben mit Bestellplattformen für Medizinalcannabis, einige auch mit Telemedizin. Wie tragfähig diese Modelle sind, ist offen: Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes sieht unter anderem einen persönlichen Arztkontakt vor der Erstverschreibung und ein Versandverbot für Blüten vor. Unser Rat: Bis Klarheit herrscht, keine langfristigen Verträge eingehen.
Abholautomaten: Hingucker statt Blechkasten
Bei Verkaufsautomaten, Abholsystemen und PickUp-Lösungen zeigten PSS, Rowa, Gollmann und weitere Anbieter wie gewohnt ihre Neuheiten. Neu war vor allem die Optik: Viele Automaten kommen inzwischen bunt und auffällig daher und werden so selbst zum Werbeträger für die Apotheke.
Was das ZukunftsWerk empfiehlt
Die Expopharm hat gezeigt: Die Angebote für die Apotheke als Gesundheitsanlaufstelle sind marktreif. Das Risiko liegt jetzt weniger im Abwarten als im unüberlegten Zukaufen.
- Erst rechnen, dann investieren. Schätzen Sie die realistische Fallzahl an Ihrem Standort ein und stellen Sie sie den Kosten gegenüber.
- Klein starten. Mit einer Softwarelösung testen und erst bei stabiler Nachfrage in Raum und Technik investieren.
- Prozesse vor Geräten. Wenige Minuten Bearbeitungszeit entscheiden über den Ertrag, beim Impfen genauso wie bei der Telemedizin.
- Räume mehrfach nutzen. Ein Beratungsraum, der Telemedizin, Impfen und Blutabnahme trägt, spart doppelte Investitionen.
Fazit
Die Expopharm 2026 war eine Messe der neuen Möglichkeiten und zugleich eine Messe der spitzen Bleistifte. Die Vergütungen sind festgelegt und teilweise zukünftig sinkend; nur die Investitionen fallen sofort an. Wer seine Zahlen kennt, bevor er unterschreibt, kann aus den neuen Leistungen ein echtes Standbein machen. Die nächste Expopharm findet vom 28. bis 30. September 2027 in Düsseldorf statt.










Weitere Impulse für selbstständige Apotheker
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Alle Anbieterpreise beruhen auf Angaben am Messestand bzw. den Anbieterwebseiten (Stand September 2026), verstehen sich netto und sind unverbindlich.
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