Der ApothekeNBlog: Skonto Apotheke
Wiedereinführung handelsüblicher Skonti und die eigene Liquidität
Nach einer Verordnung zur Apothekenreform sollen „handelsübliche“ Skonti für vorfristige Zahlungen im Jahr 2026 wieder möglich sein. Wer diese Chancen für seine Apotheke nutzen möchte, muss bereits heute die notwendigen Vorüberlegungen zur verfügbaren Liquidität treffen. Eine proaktive Liquiditätsplanung wird damit zu einem wichtigen Bestandteil eines modernen Apothekenmanagements.
Es genügt nicht, ausschließlich auf die Kontostände der Apotheke zu schauen. Entscheidend ist vielmehr, sich einen strukturierten Überblick über alle kommenden Ein- und Auszahlungen (Steuern, Investitionen, Tilgungen, Gehaltszahlungen, Lieferantenrechnungen usw.) zu verschaffen. Zudem müssen die Besonderheiten der Skontierung im Pharmamarkt berücksichtigt werden. Je nach Lieferant gibt es unterschiedliche Ansätze. Während der pharmazeutische Großhandel häufig nur Teile der gelieferten Ware skontiert (z. B. normale RX-Umsätze), werden bei Direktlieferungen oftmals Skonti auf das gesamte Einkaufssortiment gewährt.
Gerade im Apothekenmarkt, der von regulatorischen Vorgaben, saisonalen Schwankungen und einem steigenden Anteil an Hochpreispackungen geprägt ist, kann eine unzureichende Liquidität der Apotheke schnell zur wirtschaftlichen Herausforderung werden. Deshalb sollten bei der Liquiditätsplanung in der Apotheke zunächst die Einnahmen (Forderungen) betrachtet werden:
- die höchsten Zahlungseingänge erfolgen über das Rechenzentrum – meist zwischen dem 5. und 15. Tag des Folgemonats; teilweise ist eine Vorfinanzierung möglich
- die Tages-Barkasse liefert kontinuierliche Einnahmen, ist jedoch im Vergleich deutlich geringer
- Faktura-Rechnungen werden häufig verzögert beglichen
- PKV-Abtretungen sind selten und gehen meist mit zeitlichen Verzögerungen einher
- Vergütungen aus dem Nacht- und Notdienstfonds erfolgen quartalsweise
Sind Einnahmen vorhanden, müssen diese für die anstehenden Ausgaben (Verbindlichkeiten) vorgehalten werden:
- Wareneinkauf beim Großhandel und bei Herstellern sowie Bestandsveränderungen
- Personal, Miete, Werbung, Kfz, EDV, Warenwirtschaft und Zinsen
- Investitionen, Tilgungen, Steuern, Sozialabgaben, Vorsorgeaufwendungen und Privatentnahmen
Alle Positionen sowie Veränderungen bei Rückstellungen sollten detailliert in einem Liquiditätsplan erfasst werden. Zukünftige Faktoren, die sich beispielsweise aus Inflation oder gesetzlichen Änderungen ergeben, müssen zusätzlich berücksichtigt und regelmäßig angepasst werden.
Auch wenn die Rentabilität einer Apotheke aktuell nicht zufriedenstellend ist, sollte die zukünftige Entwicklung sorgfältig geplant werden. Neue handelsübliche Skonti können die Rentabilität verbessern und gleichzeitig erhebliche Auswirkungen auf die Liquidität haben. Wurden Großhandelsrechnungen bislang erst nach Eingang des ersten Abschlags vom Rechenzentrum bezahlt, könnte sich dieses Vorgehen künftig ändern. Lieferanten könnten eine vorfristige Zahlung verlangen.
Was bedeutet das konkret?
Übliche Modelle im Markt sind die Dekadenzahlung (ab dem 10. Tag des laufenden Monats in drei Zahlpunkten) oder die Halbmonatszahlung (ab dem 15. Tag des laufenden Monats in zwei Zahlpunkten). Unterstellen wir einen durchschnittlichen Wareneinkauf beim Großhandel von 130.000 Euro, sind davon lediglich rund 50 % skontierfähig. Ausgenommen sind Hochpreiser, Sonder-RX-Umsätze und Non-RX-Waren.
Nehmen wir beispielhaft an, dass 60.000 Euro mit zusätzlich 0,5 % Skonto vergütet werden, ergibt sich ein Mehrertrag von 325 Euro. Werden künftig Hochpreiser verstärkt über Direktlieferanten oder Reimporteure bezogen, könnte sich weiteres Ertragspotenzial ergeben. Während die Hochpreiservergütung bislang bei rund 1 % lag, wären künftig unter Umständen Vergütungen von bis zu 3 % denkbar, wenn Rechnungen früher beglichen werden. Bei einem monatlichen Einkaufsvolumen von 40.000 Euro könnte dadurch ein zusätzlicher Ertrag von über 1.000 Euro entstehen.
Der Vorteil einer höheren Rentabilität geht jedoch mit einer geringeren Liquidität einher. Im dargestellten Beispiel müssten rund 120.000 Euro früher verfügbar sein als bisher.
Es stellt sich daher die Frage, ob diese Mittel auf Bank- oder Thesaurierungskonten beim Großhandel vorhanden sind oder für rund 20 Tage gegen Zinsen beschafft werden müssen – beispielsweise über Banken, das Rechenzentrum oder Privatdarlehen.
Darüber hinaus lohnt es sich, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität der Apotheke zu definieren:
- Offene Forderungen konsequent und zeitnah einfordern
- Lagerbestände optimieren und reduzieren
- Leasingmodelle statt Kauf prüfen
- Steuervorauszahlungen bei sinkender Rentabilität anpassen
- Verträge überprüfen, kündigen oder nachverhandeln
- Ausgaben reduzieren und zusätzliche Ertragspotenziale erschließen
Fazit
Die mögliche Wiedereinführung handelsüblicher Skonti eröffnet Apotheken neue Chancen zur Verbesserung der Rentabilität. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine vorausschauende Liquiditätsplanung und ein professionelles betriebswirtschaftliches Management.
Eine fundierte Apothekenberatung hilft dabei, die Auswirkungen auf Liquidität und Ertrag realistisch zu bewerten und individuelle Strategien zu entwickeln. Als Unternehmensberatung für Apotheken unterstützt das Zukunftswerk Apotheken dabei, wirtschaftliche Potenziale zu identifizieren, Liquidität nachhaltig zu sichern und die Rentabilität langfristig zu stärken.
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